von Manuel Noferini
Litauische Soldaten am Giogo
Ein ganz besonderer Fund am Giogo-Pass aus den Kämpfen an der Gotenstellung im Zweiten Weltkrieg hat es ermöglicht, die Anwesenheit litauischer Freiwilliger nachzuweisen, die in der Luftwaffe dienten und zu einem bestimmten Zeitpunkt des Krieges nach Italien geschickt wurden, um die 4. Fallschirmjäger-Division zu verstärken.
Einige Erkennungsmarken, die vor einigen Jahren am Giogo-Pass ausgegraben wurden, gehörten litauischen Freiwilligen, die dem FJR 12 zugeteilt waren. Die auf den Marken eingeprägte Stammeinheit ist die Flak-Ersatz-Abteilung 51.
Die deutsche 4. Fallschirmjäger-Division
Die 4. FJD wurde gegen Ende 1943 in Italien aufgestellt und kämpfte ab Anzio stets auf unserer Halbinsel. Die Führer und Unterführer waren Veteranen: Viele trugen das Ärmelband „Afrika“ oder „Kreta“, einige beide. Die Mannschaften dagegen bestanden aus jungen Rekruten und gemischtem Personal unterschiedlicher Herkunft: Flak, technisches Personal, Wachmannschaften von Flugplätzen und so weiter. Oft handelte es sich um hoch qualifizierte Leute, die jedoch nur während der Grundausbildung ein Gewehr in der Hand gehabt hatten. Trotzdem schlug sich die Division im Italienfeldzug recht gut.
Der ständige Feindkontakt führte zu schweren Verlusten: Nach dem Rückzug aus Florenz bezog die Division Stellung an der Gotenstellung im Abschnitt zwischen dem Futa- und dem Giogo-Pass. In den wenigen Ruhetagen wurde sie mit jungen Rekruten aus Deutschland aufgefüllt (angeblich sogar mit Jungen direkt aus der Hitlerjugend), die kurz vor dem Einsatz eine weitere intensive „örtliche“ Ausbildung erhielten. Vermutlich wurden damals die litauischen Freiwilligen dem 12. Regiment zugeteilt; dass sie früher zur Einheit kamen, ist unwahrscheinlich, denn ein längerer Aufenthalt hätte mehr historische Spuren hinterlassen, als auf uns gekommen sind. Diese Verstärkungen lösten sich in wenigen Tagen auf, und eine ganze Reihe der Gefangenen, die die GIs am Giogo machten und die in den damaligen Berichten als Fallschirmjäger geführt wurden, waren in Wirklichkeit Litauer.
Die am Giogo gefundenen Erkennungsmarken
Die auf den Marken eingeprägte Stammeinheit ist die Flak-Ersatz-Abteilung 51. Sie wurde am 26.8.1939 in Stettin-Kreckow mit vier Batterien (Nr. 1 bis 4) aufgestellt. 1941 wurde sie in die schwere Flak-Ersatz-Abteilung 51 umgewandelt. Im Juni 1942 wurde die Einheit geteilt in:
- Flak-Ersatz-Abteilung 51 in Stettin-Kreckow
- Flak-Ausbildungs-Abteilung 51 in Stettin-Kreckow (kurz darauf umbenannt in Flak-Abteilung 693)
1944 wurde sie auf 9 Batterien verstärkt; zwischen November und Dezember 1944 kamen die Batterien 6–9 im Luftgau III zum Einsatz.
Verwendung (Quelle: http://www.ww2.dk/):
- 8.39 – 9.40 in Stettin-Kreckow unter dem Luftgau-Kommando IV
- 9.40 – 8.41 in Stettin-Kreckow unter dem Kommandeur der Flakersatzabteilungen beim Luftgau IV
- 8.41 – 7.42 in Stettin-Kreckow unter Stab/Flak-Ersatz-Regiment 7
- 7.42 – 5.45 in Stettin-Kreckow unter Stab/Flak-Ersatz-Regiment 1
Leider ließ sich bisher kein Hinweis auf die Litauer finden, die ihr zugeteilt wurden. Vermutlich diente die Flak-Ersatz-Abteilung 51 als Durchgangseinheit, in der das Personal bis zu einer endgültigen Zuteilung vorübergehend „geparkt“ wurde. Nach den spärlichen Informationen kamen etwa 400 Litauer zur 4. FJD, zusammengefasst in einem „Litauer-Bataillon“. Offenbar waren sie keine große Hilfe, und viele ergaben sich bei der ersten Gelegenheit den Amerikanern. Man kann sich das bittere Schicksal der Überlebenden nach dem Krieg vorstellen, als sie in die Sowjetunion zurückgeschickt wurden.
Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch von F. Montevecchi „La strada per Imola“, University Press Bologna, 1991, und sind ihrerseits anderen Werken entnommen.
S. 80, zum Zustand der 4. FJD im September 1944: „… während das 12. Regiment mit den Resten des 1. Sturmregiments des II. Fliegerkorps, mit Einheiten litauischer Freiwilliger und mit Personal aufgelöster Luftwaffen-Divisionen aufgefüllt wurde“ (E. Busch, Die Fallschirmjäger-Chronik, S. 110–111, Pallas, Friedberg 1983).
S. 87, wiederum zum Zustand der 4. FJD wenige Tage nach der Offensive der 5. Armee: „Nachdem die 4. Fallschirmjäger-Division jeden verfügbaren Mann eingesetzt hatte, sogar die wenigen zuverlässigen Litauer, blieben Schlemm nur noch zwei Bataillone der Lehr“ (H. Greiner, Kampf um Rom – Inferno am Po, S. 167, Scharnhorst Buchkameradschaft, Neckargemünd 1968).
Anmerkung der Redaktion (Oktober 2026): Der Greiner zugeschriebene Satz stimmt fast wörtlich mit einer Stelle bei Ernest F. Fisher, Cassino to the Alps (Washington, 1977), Kap. XIX, S. 337, überein, die aus dem Kriegstagebuch der 14. Armee stammt; dort sind die Litauer jedoch „an untrustworthy Lithuanian Labor Battalion“, also ein unzuverlässiges litauisches Arbeitsbataillon, nicht „zuverlässig“. Ein Zuschreibungs- oder Übersetzungsfehler ist wahrscheinlich; die Stelle bei Greiner wurde noch nicht am Original geprüft. Im Busch-Zitat war zudem das „1. Sturmregiment“ (Luftlande-Sturm-Regiment 1) eine Einheit des XI., nicht des II. Fliegerkorps.
Weitere Hinweise finden sich in dem neueren Buch von Amedeo Montemaggi „Clausewitz sulla Linea Gotica“ (Angelini editore, Imola 2008).
S. 120, zu den Ereignissen des 18. September, heißt es:
„Der Angriff auf Knob 3 des Monte Altuzzo wird in der Nacht von den Kompanien ‚I‘ und ‚L‘ fortgesetzt, und im Morgengrauen des 18. ist das Ziel schließlich genommen. Mehrere Deutsche ergaben sich, darunter einige Grenadiere der 6. Kompanie der Lehr-Brigade und etwa vierzig litauische Freiwillige, die eher desertieren als kämpfen wollten; die übrigen zogen sich jenseits des Passes zurück.“
Die Anmerkung 140 am Ende des Kapitels ergänzt:
„Die Litauer gehörten einem Arbeitsbataillon von 360/430 Mann aus Südfrankreich an. Davon waren 75 zum Monte Altuzzo umgeleitet worden.“
Das „zuverlässige Litauer“ in Montevecchis Buch verwundert etwas, wenn man bedenkt, was an anderer Stelle berichtet wird, nämlich dass diese „Freiwilligen“ sich bei der ersten Gelegenheit ergaben. Sicher ist, dass eine unbekannte Zahl von Litauern in den Kämpfen am Altuzzo fiel. Für mindestens zwei steht dies fest, bestätigt durch das unmittelbare Zeugnis von Menschen, die die Toten am Tag nach der Schlacht sahen.
Doch kommen wir zu den Erkennungsmarken selbst.
Eine ist aus Aluminium, die andere aus Zink (die Zinkmarke wurde mit Tusche behandelt, um die Inschriften besser sichtbar und lesbar zu machen); die Schriftzeichen sind identisch und die Nummern liegen recht nahe beieinander. Die Stammrollnummern, die Kennnummern der einzelnen Soldaten innerhalb einer Einheit, sind ziemlich hoch (über 4000); das ist typisch für Ausbildungs- und Ersatzeinheiten, die Tausende von Männern durchliefen. Zugleich kann eine hohe Nummer darauf hindeuten, dass die Litauer erst spät im Krieg eingegliedert wurden. Die Marken wurden fast sicher auf derselben Maschine geprägt; beim Prägen lagen sie auf einer geriffelten Unterlage, was man besonders an der Aluminiummarke sieht.






